Erwartungen
Je einfacher das zu simulierende Problem ist, umso eher können Sie eine direkte Übereinstimmung der
Berechnung mit der physikalischen Realität
erwarten: Z.B. liegt meist bei Biegeproblemen mit einfachen Geometrien
und geringen Verschiebungen die Abweichung der Simulation im Vergleich zur
exakten Lösung im Bereich weniger Prozente oder gar im Promillebereich.
Je komplexer die Konfigurationen werden, umso weniger kann man in der Regel auf
begleitende oder abschließende Experimente verzichten, jedoch kann die Anzahl der Experimente
oder der Aufbau von Prototypen deutlich verringert werden. Besonders wichtig sind begleitende oder
abschließende experimentelle Untersuchungen, wenn viele komplexe physikalische
Mechanismen ineinander greifen. Hier sollten
Sie Simulationen als ein zusätzliches Entwicklungsinstrument ansehen, um
Bauteile bzw. deren Komponenten oder Prozesse zu optimieren oder die Anzahl von
Varianten für den Bau von Prototypen zu verringern.
Bei sehr komplexen Problemen kann es manchmal zu einer Diskrepanz von
der ersten Simulation und den experimentellen Beobachtungen kommen. Hierfür
sind verschiedene Ursachen denkbar. Zum einen kann diese Abweichung darin begründet sein, dass die
Modelle für dieses konkrete Problem zu optimieren und an den Anwendungsfall
anzupassen sind (z.B. bei
einigen Turbulenzmodellen in der Strömungssimulation), oder dass innerhalb der
ersten Modellabstraktion die Bedeutung eines wichtigen Transportmechanismus
vernachlässigt wurde. Häufig ist auch ein ungenaues Wissen über den
Sachverhalt
z.B. die unzureichende Kenntnis über das exakte Materialverhalten eines
beteiligten Körpers die
Ursache dafür, dass eine "eins-zu-eins"-Übertragung solch komplexer
Fragestellungen selten auf Anhieb gelingt. Bei Problemen dieser Kategorie ist es häufig notwendig, der
eigentlichen numerischen Prozess- oder Bauteiloptimierung eine
Modellvalidierungsphase vorzuschalten, in der im Vergleich mit Experimenten die
Modellannahmen an den physikalischen Vorgang angepasst werden.
Auch bei der Simulation von biophysikalischen Vorgängen in der Medizintechnik
ist es in der Regel notwendig, begleitend zu den Simulationen
experimentelle Untersuchungen durchzuführen. Eine Ursache liegt darin,
dass die Materialeigenschaften in solchen Prozessen häufig starken
individuellen Schwankungen unterworfen sind.
Ist aber das Modell der realen
komplexen Situation angepasst, eröffnen die Simulationen eine einzigartige Chance,
hochkomplexe Vorgänge im
Detail zu verstehen und gezielt auf sie Einfluss zu nehmen. |